15. September 2070

 

Liebe Menschen aus der Vergangenheit,

mein Name ist Finn und ich gehe in die 5. Klasse. Ich möchte euch heute von meinem Schul-Alltag im Jahr 2070 berichten. Wir unternehmen viele tolle Exkursionen, haben aber natürlich auch noch Unterricht im Klassenraum. Ich schildere euch einmal, wie das heute so lief.

Der Unterricht beginnt um 08:00 Uhr und den Weg bis zu meiner Schule lege ich zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurück. Das mache ich schon seit ich klein war, denn nachdem es immer geschützte Fahrradwege und insgesamt viel weniger Autos als zu eurer Zeit gibt, haben meine Eltern weniger Angst, dass mir im Straßenverkehr etwas zustößt.

In der ersten Stunde hatten wir heute Gemeinschaftskunde. Hier haben wir etwas über Bürgerräte gelernt. Das sind Gremien, bei denen ganz verschiedene Menschen zusammenkommen, um darüber zu sprechen, wie unsere gemeinsame Zukunft gestaltet werden soll. (1)  Es gibt diese Räte zu unterschiedlichen Themen und auf verschiedenen Ebenen. So hat unsere Stadt beispielsweise einen Bürgerrat Klima. Er entscheidet beispielsweise darüber mit, wo neue Bäume gepflanzt werden sollen, um das Stadtklima weiter zu verbessern.

Danach hatten wir Geografie. Hier hatte unsere Lehrerin ein Video-Gespräch mit Menschen von den Fidschi-Inseln organisiert. Die sind dafür extra bis spätabends für uns wach geblieben, wegen der Zeitverschiebung. Jedenfalls: Deren wunderschöne und faszinierende Heimat konnte gerettet werden, als sich die Politiker und Politikerinnen in den 2020er Jahren endlich dazu durchgerungen hatten, etwas gegen die Klimakrise zu unternehmen. Hätte die Erderwärmung nicht begrenzt werden können, hätte der Meeresspiegelanstieg dafür gesorgt, dass unsere heutigen virtuellen Gesprächspartner nicht mehr in ihren Dörfern hätten leben können. (2)

Nach diesen zwei Stunden hatten wir eine kurze Pause, in der wir auf unserem schön grünen Pausenhof erholen konnten.

Die dritte Stunde lautete Physik und hier lernten wir etwas über die Wirkungsweise von  Photovoltaikanlagen, die es nun überall, auch auf dem Schuldach, gibt. Ich fand das ganz schön spannend, wie die Energie unserer Sonne genutzt werden kann, auch wenn das ein wenig kompliziert ist. (3)

Im Anschluss hatten wir Geschichte. Hier lernten wir etwas über soziale Bewegungen. Eine solche war auch das zu eurer Zeit gegründete Fridays for Future Movement. Dieses bekam in den 2020er Jahren immer mehr Zulauf. Viele Menschen beteiligten sich an den Klimastreiks und anderen Aktionen, sodass immer mehr Druck auf die Politiker und Politikerinnen ausgeübt wurde, etwas gegen die Klimakrise zu unternehmen. Ich bin überzeugt, dass das mutige Engagement der Aktivisten und Aktivistinnen dazu beigetragen hat, dass ich heute so gut leben kann, wie ich es tue.

In der fünften Stunde hatten wir Kunsterziehung. Hier bastelten wir an hölzernen Skulpturen. Das Material für diese Arbeiten besteht aus alten Möbeln, die die Schule von einer der vielen Recycling-Stellen beziehen. Für mich war es besonders lustig, denn ganz unerwartet konnte ich meinen alten Kleiderschrank, der vor kurzem kaputt gegangen war, noch einmal wiedersehen.

Nun hatten wir Mittagspause und ich hatte schon mächtig Hunger. Umso mehr freute ich mich, dass es heute in der Kantine Kartoffeln und Spinat gab. Beides bauen wir in unserem großen Schulgarten an und nun war es an der Zeit, mein Lieblingsgemüse zu ernten. Es ist ganz besonders toll, die Früchte der eigenen Arbeit genießen zu können. Und weil wir je nach Jahreszeit ganz unterschiedliches Obst und Gemüse in unserem Schulgarten anbauen, gibt es immer abwechslungsreiche und gesunde Ergänzungen zu unserem Schulessen.

Nach der Pause hatten wir Chemie, mein Lieblingsfach. Schon im ersten Halbjahr hatten wir einiges über den menschengemachten Treibhauseffekt gelernt. (4) Die Menschheit hat es zwar geschafft, die jährlichen CO2-Emissionen im Vergleich zu eurer Zeit deutlich zu verringern, aber die bereits vorhandenen Treibhausgase sind ja trotzdem in der Erdatmosphäre. Wir haben gelernt, dass es schon zu eurer Zeit Ideen gab, wie CO2 aus der Atmosphäre gesaugt werden konnte, und wir entwickeln jetzt diese Ideen weiter. Das finde ich total spannend – und es ist wichtig, um den Klimawandel zu begrenzen und die Häufigkeit von Extremwetter und Überschwemmungen langsam wieder zu reduzieren. (5)

Das letzte Unterrichtsfach am heutigen Tag hieß Sport. Dieser findet so oft wie möglich draußen an der frischen Luft statt, so auch heute. Angesetzt war eine Leistungskontrolle im Ausdauerlauf, was ich ziemlich anstrengend finde. Doch zum Glück verlief unsere Laufstrecke durch einen der vielen an die Schule angrenzenden Parks, sodass ich mich während des Laufens an der grünen Umgebung erfreuen konnte.

Da hatte ich sogar noch genug Energie, um am Nachmittag noch schnell mit dem Fahrrad nach Hause zu fahren, um meine Freizeit zu genießen.

 

Euer Finn

 


(1) Tremmel 2018; SRzG 2020; Nanz / Leggewie 2016.

(2) Rahmstorf / Schellnhuber 2019: 61ff.: Ein erheblicher Meeresspiegelanstieg in den nächsten Jahrzehnten ist eine signifikante Auswirkung der globalen Erwärmung.

(3) Paschotta 2010: Photovoltaik ist ein technisches Verfahren zur direkten Umwandlung von Lichtenergie, vor allem Sonnenlicht, in elektrische Energie.

(4) Der Treibhausgaseffekt beschreibt den Umstand, dass bestimmte Gase in der Atmosphäre Sonnenstrahlen zur Erde lassen, abgestrahlte Wärme von der Erde jedoch nicht ins Weltall. Die Folge ist die Stauung von Wärme in der Nähe der Erdoberfläche (Rahmstorf / Schellnhuber 2019).

(5) Alle Emissionsszenarien des Weltklima-Rats (IPCC), die davon ausgehen, dass die Erderwärmung noch auf 2 oder gar 1,5 °C begrenzt werden kann, rechnen den Einsatz von Carbon Dioxide Removal-Technologien ein (IPPC 2018: 3).

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